Gesundheit II – Das große Sommerjucken

Es kann natürlich (leider) alles Mögliche sein, was da juckt: Von Flöhen über Haarlinge bis zu Allergien ist alles drin, und im Falle der Letzteren ist die Diagnose schwierig zu stellen. Tritt Juckreiz erstmals im Hochsommer auf, ist der Hund auf Wiesen mit höherem Grasstand unterwegs oder die Katze Freigänger, dann sollte man mittlerweile auch bei uns an die ehemals exotische Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis) denken, die auch unter anderen Namen bekannt ist: Herbstmilbe, Erntemilbe, Heumilbe, Herbstlaus, Graslaus, …

In leichtem Gegensatz zu ihrem wissenschaftlichen Namen tritt die Herbstgrasmilbe in Europa aber nicht nur im Herbst auf, sondern schwerpunktmäßig ab dem Hochsommer von Juli bis Oktober. In dieser Zeit erklimmen die Larven der Milbe Grashalme in etwa 5 bis 20 cm Höhe und warten auf einen Wirt mit der richtigen Betriebstemperatur: vor allem kleine Nagetiere, Vögel, aber eben auch Hunde, Katzen und Menschen. Die Larven wechseln auf den Wirt über, bohren die Haut auf und sondern ein Speichelsekret ab, das die unteren Hautschichten löst.

Die gute Nachricht ist: Weiter passiert nichts, die Milbenlarven saugen kein Blut, übertragen keine Krankheiten, sind also relativ harmlos und fallen nach wenigen Stunden (beim Menschen) oder einigen Tagen (bei Tieren) wieder ab, um in ihr nächstes Entwicklungsstadium einzutreten. Sitzen die Larven einmal am Tier, dann verbreiten sie sich auch nicht auf andere Tiere, sind also nicht übertragbar wie andere Milben (z. B. Ohrmilben oder Räudemilben).

Die schlechte Nachricht ist: Die Larven verursachen meist sehr starken Juckreiz, auch noch viele Tage nach dem eigentlichen Befall, weshalb sich die befallenen Tiere ständig kratzen, scheuern oder schütteln, was letztendliich zu Verletzungen und sogar psychischen Beschwerden führen kann (wir kennen das ja auch: „Dieser Juckreiz macht mich schier verrückt!“).

Die Larven der Herbstgrasmilbe sind etwa 0,3 mm groß und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Allerdings sind sie leuchtend orangerot gefärbt, und so kann man einen stärkeren Befall, der sich an einer Stelle konzentriert, gut an der Farbe erkennen. Vorzugsweise findet man diese Stellen an:

– Ohrrand, in der Ohrfalte
– Lidrand
– Pfoten (Zwischenzehenhaut, Krallenbett)
– Ellenbogenbeuge
– Anus, Vulva
– Bauch (Brustwarzen)

Eine Vermeidung oder Behandlung des Befalls ist schwierig (besonders bei Freigängerkatzen), und selbst schulmedizinische Mittel wie Frontline zeigen hier häufig keine Wirkung. Als vorbeugende Maßnahme wird geraten, im eigenen Garten das Gras kurz zu halten und als Hundehalter Kuhweiden und Wiesen zu meiden; außerdem verstärkt Vitamin B (z. B. über Formel-Z-Tabletten) zu füttern, das einen günstigen Einfluss auf das Hautmilieu hat. Auch das Einsprühen oder Einreiben mit bestimmten Substanzen kann Milben fernhalten (eventuell auch beseitigen), zum Beispiel mit Pinus Fauna oder Exner Petguard. Nach erfolgtem Befall kann Waschen mit Kernseife, Auftragen von Pinus Fauna-Gel, Exner Petguard oder einfachem Speise- oder Kokosöl die Larven abtöten. Auch Salz- bzw. Meerwasser kann diese Wirkung haben. Bei Katzen ist die Ausführung dieser Empfehlungen allerdings schwierig. Sollte nichts davon gelingen oder wirken, gibt es noch den einen Trost: Spätestens nach dem ersten Frost ist der Spuk für dieses Jahr vorbei!

 (c) Kerstin Braun, Tierheilpraktikerin

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